09 • Neuer Job für Einstein

Meine schlimmsten Befürchtungen bewahrheiten sich, denn Rosa schleppt mich durch dieses Haus, in dem ich mich anfänglich äußerst unbehaglich fühle. Pflegeheim heißt es, wird mir erklärt.
Dort sehe ich merkwürdige Wesen, die aussehen wie Menschen, aber dennoch keine sind – so wie ich sie kenne – irgendwie ganz anders vom Bewegungsablauf und der Ausstrahlung. Manche hocken in seltsamen Stühlen, an denen Räder befestigt sind, andere stützen sich auf Stöcke, wieder andere schieben ein Wägelchen vor sich her und alle bewegen sich sehr, sehr  langsam. Einige dieser Menschen, die in den  Stühlen mit Rädern kauern, sehen aus, als würden sie schlafen. Sie starren an die Decke. Mit offenen Augen. Leblos wirken sie. Andere sehen einfach durch mich hindurch … weiter lesen

08 • Trauer und Sterbebegleitung

 

Der Mops entspannt sogar Sterbende

Neben meiner Arbeit als Verhaltenstherapeutin bin ich Hospizhelferin. Sie werden sich fragen, was ist das?
Hospizhelfer begleiten Menschen in den Tod.  Sie stehen ihnen oder ihren Angehörigen bei, wenn es Zeit ist, zu gehen. Niemand weiß was passiert nach dem Tod. Ein Mensch stirbt und es gibt einen  körperlichen Exitus. Dann erscheint auf den Monitoren der Überwachungsgeräte im Krankenhaus die Null-Linie und ein Piepton. Langgezogen, hell und durchdringend. Doch was passiert mit der Seele, dem Geist? Großes Fragezeichen. Was macht die Seele, wenn der Verstorbene begraben oder verbrannt wird? Legt sie sich friedvoll daneben und hält ein Schläfchen oder begibt sie sich auf Reisen?  weiter lesen

07 • Einsteins erster externer Einsatz

Rosa hat für heute immer noch nicht genug. Nach all diesem Mist am Vormittag verkündet sie, dass es anschließend für mich eine „gänzlich neue Premiere“ geben würde. „Externer Einsatz“, irgend so was faselt sie. Packt hektisch verschiedenen Papierkram in eine schwarze Aktentasche. Oh je, ich spüre eine nicht zu übersehende Unruhe, höre sie ein paar mal die Treppen rauf und runter trampeln, es ist vorbei mit der Gemütlichkeit. Kein Entrinnen. Sie pfeift durchdringend, wedelt mit der Leine, und das kurz vor dem Mittagfressen, ich glaube es kaum … weiter lesen

06 • Selbstverletzung

Eine dunkelhaarige junge Frau, sehr schlank, huscht die sechsundvierzig Treppenstufen hoch in die Praxis und lässt sich schluchzend in einen meiner Sessel fallen. Sind allesamt aus Leder. Sehr chic. Cremefarben.
Nützt alles nichts, jetzt kauert darin geballtes Unglück.
Auf der Stirn der Patientin entdecke ich, oh Gott, eine dunkle Stelle. Stark überschminkt. Schillert grünlich-blau in der Größe einer Zwei-Euro-Münze … weiter lesen