111. Nightmare

Es liegt mindestens 20 Jahre zurück. Ein Mann meldete sich telefonisch an, um über die schmerzhaften Folgen seiner Trennung nach langjähriger Ehe zu sprechen.

Als er mir gegenübersass überraschte mich die Intensität der Augen, die mich unverwandt anstarrten. Sie erinnerten an die Farbe unergründlicher morastiger Seen wie ich sie von meinen Ausritten durch das Moor oftmals gesehen hatte. Allerdings aus meinem Sattel und aus sicherer Höhe.

Noch bevor der Patient zu sprechen begann, stellten sich meine Haare auf den Armen senkrecht nach oben. Mich fröstelte. weiter lesen

110. Bandscheibenvorfall

In meinem ganzen Leben habe ich noch niemals derart ausdauernd in die Glotze gestarrt wie während meiner Magen-Darm-Erkrankung. Recht viel mehr wie geradeaus schauen war mir zwei Tage lang ja auch nicht vergönnt. Vor mich hinglotzen wäre sicher nicht das Problem gewesen – doch ich tat es angesichts der nervenzerfetzenden Spannung meiner Lieblingsserie mit nach vorne gestreckten Schildkrötenhals in Situationen steigender Spannung.  Was tut man nicht alles in Erwartung des nächsten siegreichen Abenteuers seiner Helden.

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109. Prosit Neujahr

Selten habe ich meine Rudelführerin so entspannt erlebt wie in der Weihnachtszeit. Ein Familienfest jagte das nächste. Zum Glück fanden sämtliche Feierlichkeiten in Philips Haus nebenan statt. Rosa musste sich nur noch an gedeckte Tische setzen und aufpassen, im Familien-Getümmel nicht den Überblick zu verlieren.

Zum Teil waren Menschen aus fünf Generationen versammelt. Neben drei Kinderwägen stand am ersten Weihnachtsfeiertag auch ein Gehwagen mit dabei. Das heißt, von einem halben Jahr aufwärts bis knapp einhundert Jahre war alles vertreten.

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