05 • Reflektionen eines Therapiebegleithundes

Ach du trübes Schwein, was tut sich Rosa heute nur alles an. Kommt da ein Kerl wie ein Schrank daher und verbreitet fünfzig Minuten miese Atmosphäre. Ich kann es förmlich riechen. Etwas grauenvoll Bedrohliches im Raum.
Sitzt dieser Typ mit dem Arsch auf der äußersten Kante des Stuhles und rattert ohne Punkt und Komma seine Geschichte runter, während Rosa seltsam gespannt und eher wortkarg  zuhört.

Meine Kollegen schlafen während ich in der Praxis schufte

Sie macht dabei einen ähnlichen Gesichtsausdruck, wie wenn sie mich erwischt, wenn ich ihre Lieblingsschuhe versuche anzunagen. Oh weia, jetzt haut sie ihm gleich mit der Zeitung …?  Nein, nix Zeitung, kein Pfui ertönt.

Sie gibt ihm einen neuen Termin, das darf doch nicht wahr sein!

„Na warte, Bursche, wenn ich noch mal was von Waffen und Prügeln höre, beiße ich dich dahin, wo es richtig weh tut“.

Ganz besorgt beobachte ich, wie Rosa nach dieser Sitzung länger als sonst gedankenverloren vor sich hin starrt und so gar nichts sagt.

Dann steht sie abrupt auf, weil es geläutet hat.