114. Abgetaucht

Kaum war ich aus meiner Reha zurück, entdeckte ich ungeahnte Kräfte und eine neue Beweglichkeit, die mir vor Jahren abhanden gekommen war. Voller Elastizität stürmte ich durch Praxis und Haus. Die skeptischen Seitenblicke Einsteins entgingen mir dabei nicht.  Offensichtlich fand er seine upgedatete Rudelführerein ganz und gar nicht toll. Viel zu schnell auf jeden Fall. Manchmal glaube ich, dass der mächtige Bulldog sprechen kann. Nur leider in einer Sprache, die ich nur unzulänglich verstehe. Sein Gesichtsausdruck jedenfalls schien mir zu signalisieren: „Hey, Chefin, mach mal langsamer. Bitte!“
Hätte ich bloss auf meinen großartigen und 24 Stunden am Tag tiefenentspannten klugenTherapie-Begleithund gehört. „114. Abgetaucht“ weiterlesen

113. Buch

Es hat eine Weile gedauert, bis mein Buch erschienen ist. Letzte Woche wurden mir die ersten Exemplare geschickt.

Rosa van Almen: Hunde in der Psychotherapie

Erschienen bei „Dogs and Jobs“ unter der ISBN: 978-3-944473-14-7

Auf der Rückseite des Buches steht folgender Klappentext:

„Diplom-Psychologin Rosa van Almen setzt in ihrer Praxis für Verhaltenstherapie seit über 30 Jahren Therapiebegleithunde ein. Von Angststörungen über Zwangsstörungen zu Burn-Out – die Psychologin nimmt Sie mit auf eine Reise durch ihren Praxisalltag“. „113. Buch“ weiterlesen

112. Die Anstalt

Ach liebste Marie, Rosa kann uns mal den Buckel runterrutschen

Rosa war die letzten drei Wochen wie vom Erdboden verschluckt. Als sie vorgestern zurückkam, mit DREI riesigen Koffern im Schlepp, tat ich erst mal so, als würde ich sie wenig oder gar nicht kennen. So beleidigt war ich.

Wenn unsere Rudelführerin mit uns auf Wellness-Urlaub geht, hat sie bestenfalls EINEN Koffer mit.
Diesmal waren wir nicht eingeplant.  Ich verstand die Welt nicht mehr. Rosa hatte sich ohne uns verkrümelt. WOCHENLANG. Genau genommen einundzwanzig endlose Tage, in denen mir jede Stunde, Minute endlos und langweilig erschien.
„112. Die Anstalt“ weiterlesen

111. Nightmare

Es liegt mindestens 20 Jahre zurück. Ein Mann meldete sich telefonisch an, um über die schmerzhaften Folgen seiner Trennung nach langjähriger Ehe zu sprechen.

Als er mir gegenübersass überraschte mich die Intensität der Augen, die mich unverwandt anstarrten. Sie erinnerten an die Farbe unergründlicher morastiger Seen wie ich sie von meinen Ausritten durch das Moor oftmals gesehen hatte. Allerdings aus meinem Sattel und aus sicherer Höhe.

Noch bevor der Patient zu sprechen begann, stellten sich meine Haare auf den Armen senkrecht nach oben. Mich fröstelte. „111. Nightmare“ weiterlesen